ADHS-Kompass

Kosten & Erstattung

Was kostet eine ADHS-Diagnostik für mein Kind, und zahlt das die Beihilfe?

7. Juli 2026 · 5 Min. Lesezeit

Wenn Sie diesen Artikel lesen, kennen Sie die Situation vermutlich: Es gibt einen begründeten Verdacht, dass Ihr Kind eine ADHS haben könnte. Entweder hat eine Lehrerin Sie darauf aufmerksam gemacht, gut gemeinte Verwandte, oder Sie selbst merken, etwas könnte in die Richtung gehen. Und die Wartezeit auf einen Diagnostik-Termin in einer Hochschulambulanz oder bei niedergelassenen Praxen (für Psychotherapie oder für Kinder- und Jugendpsychiatrie) dauert viele Monate, manchmal länger als ein Schuljahr.

Eine private Diagnostik kann diese Zeit deutlich verkürzen. Dafür ist sie mit Kosten verbunden. Diese erkläre ich hier ganz transparent für Sie: die ehrliche, vollständige Antwort. Und eine mögliche Option, diese in einem bestimmten Maße von Ihrer Krankenkasse erstattet zu bekommen.

Die kurze Antwort: Was eine private ADHS-Diagnostik kostet

Marktüblich liegen private ADHS-Diagnostiken für Kinder in Deutschland etwa zwischen 800 und 1.800 Euro, je nach Umfang und Region. In meiner Psychotherapeutischen Praxis Dorka in Tübingen arbeite ich mit transparenten Festpreis-Paketen (kompakt mit 4 Terminen, umfassend mit 6 Terminen, jeweils optional mit schriftlichem Befundbericht); die aktuellen Preise finden Sie gebündelt auf der Diagnostik-Seite.

Der Einstieg ist immer ein Erstgespräch, das vollständig angerechnet wird, wenn Sie sich für ein Paket entscheiden. Sie können also erst in Ruhe prüfen, ob Praxis und Vorgehen zu Ihnen passen, ohne sich festzulegen.

Warum kostet das so viel? Was in einer seriösen Diagnostik steckt

Eine verlässliche ADHS-Diagnose entsteht nicht aus einem einzelnen Test und nicht aus einem einzigen Termin. Die aktuelle Leitlinie sieht ein mehrstufiges Vorgehen vor, und genau das steckt im Preis:

  • Ausführliche Anamnese: Entwicklungsgeschichte, Familie, Schule, strukturiertes Interview nach den offiziellen Diagnosekriterien, Blick auf mögliche Begleitthemen wie Ängste oder Lernschwierigkeiten.
  • Mehrere Blickwinkel: Fragebögen für Eltern und Lehrkraft, denn ADHS zeigt sich in verschiedenen Lebensbereichen unterschiedlich.
  • Objektive Messung: ein computergestützter, wissenschaftlich geprüfter Test zu Aufmerksamkeit und Impulskontrolle.
  • Verhaltensbeobachtung durch den Blickwinkel einer sehr erfahrenen Psychotherapeutin, die in ihrer bisherigen Berufslaufbahn viele andere Kinder beobachtet und begleitet hat.
  • Auswertung und persönliche Rückmeldung: verständliche Einordnung der Ergebnisse und konkrete Empfehlungen für die nächsten Schritte.

Dazu kommt Arbeit, die Sie nicht sehen: Auswertung der Testverfahren und Fragebögen, Abwägung von Differenzialdiagnosen, Dokumentation. Eine „ADHS-Diagnose“ nach einem einzigen Gesprächstermin oder einem Online-Fragebogen anzubieten wäre alles andere als seriös und würde genau an den Stellen sparen, die eine Diagnose belastbar machen.

Wer übernimmt die Kosten? Die drei Fälle

Gesetzlich versichert (GKV): Die gesetzliche Kasse bezahlt die Diagnostik über den Kassenweg, also bei Vertragsärzt:innen und -therapeut:innen, dort allerdings mit den bekannten Wartezeiten. Eine private Diagnostik erstattet die GKV im Regelfall nicht; Sie wären Selbstzahler. Das ist eine bewusste Abwägung, die nur Sie alleine treffen können.

Privat versichert (PKV): Für Privatversicherte ist die Diagnostik bei approbierten Behandler:innen in der Regel größtenteils erstattungsfähig. Grundlage ist die Abrechnung nach der Gebührenordnung (GOÄ); dazu gleich mehr. Wie viel genau erstattet wird, hängt von Ihrem Tarif ab.

Beihilfeberechtigt (z. B. Beamt:innen und Lehrkräfte): Für beihilfeberechtigte Familien gilt das Gleiche: Psychotherapeutische Diagnostikleistungen nach GOÄ sind in der Regel beihilfefähig, ergänzt um die private Restkostenversicherung. Auch hier entscheidet die Beihilfestelle im Einzelfall.

So funktioniert die Erstattung praktisch

Der wichtigste Baustein ist die Rechnung nach GOÄ: Als approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin schlüssele ich jede Rechnung vollständig nach den Gebührenziffern der Gebührenordnung auf. Genau diese Aufschlüsselung ist es, die private Krankenversicherung und Beihilfe für die Erstattung brauchen. Eine Pauschalrechnung ohne Ziffern würde dagegen oft abgelehnt.

Drei praktische Tipps:

  1. Informieren Sie sich vorab bei Ihrer Krankenkasse bzw. Beihilfestelle. Sie können sich die geplanten Leistungen vor Beginn bestätigen lassen. Das kostet einen Anruf oder ein Formular und schafft Planungssicherheit.
  2. Rechnen Sie ehrlicherweise nicht mit einer Erstattung von hundert Prozent. Je nach Tarif, Steigerungsfaktor und Beihilfesatz kann ein Eigenanteil bleiben. „In der Regel größtenteils erstattungsfähig“ ist die ehrliche Formulierung.
  3. Heben Sie alles auf. Rechnung, Bericht, Bescheide: Sie brauchen die Unterlagen ggf. später für Schule, Nachteilsausgleich oder weiterbehandelnde Ärzt:innen.

Woran Sie ein seriöses Angebot erkennen

Der Markt rund um ADHS ist unübersichtlich geworden. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist die Approbation: Nur approbierte ärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik führt zu einem rechtlich anerkannten Befund, der Grundlage für Nachteilsausgleich in der Schule, für eine mögliche Medikation (durch Ärzt:innen) und für die Erstattung durch PKV und Beihilfe. Coaches, Heilpraktiker:innen für Psychotherapie oder reine Online-Testanbieter können das nicht leisten, auch wenn die Preise dort zunächst attraktiver wirken.

Fragen Sie außerdem danach, was genau enthalten ist (Anamnese? Fragebögen mehrerer Bezugspersonen? objektiver, standardisierter, validierter Test? Verhaltensbeobachtung? persönliche Rückmeldung?) und ob es einen schriftlichen Befundbericht gibt; der ist es, den Schule und weiterbehandelnde Stellen am Ende sehen wollen.

Häufige Fragen

Kann ich erst einmal unverbindlich anfragen? Ja. Der Einstieg ist immer das Erstgespräch, das beim Paket angerechnet wird. Danach entscheiden Sie in Ruhe, ob Sie ein gutes Gefühl haben, ob Sie mit mir zusammenarbeiten möchten und wie es weitergeht.

Zahlt die gesetzliche Kasse wirklich gar nichts dazu? Für privat erbrachte Diagnostik im Regelfall nein. Der Kassenweg über Hochschulambulanzen oder Vertragspraxen bleibt Ihnen aber unabhängig davon offen. Manche Familien nutzen die private Diagnostik gerade, um die Wartezeit dorthin nicht untätig verstreichen zu lassen.

Lohnt sich der schriftliche Bericht? Für die meisten Familien ja. Er enthält bei mir auch konkrete Empfehlungen für die Unterstützungsmöglichkeiten in der Schule und einen separaten einseitigen Schul-Auszug, die übliche Grundlage für den Nachteilsausgleich, ohne dass die Schule den vollständigen Bericht sehen muss.

Glossar: Wer macht was?

Approbierte:r Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:in (KJP) Psychotherapeut:in mit staatlicher Zulassung (Approbation), spezialisiert auf Kinder und Jugendliche. Darf eigenständig diagnostizieren und psychotherapeutisch behandeln. Der Befund ist rechtlich anerkannt, also Grundlage für Nachteilsausgleich und Erstattung. Verordnet keine Medikamente.

Kinder- und Jugendpsychiater:in (KJPsychiater:in) Ärzt:in mit Facharztausbildung in Kinder- und Jugendpsychiatrie. Diagnostiziert, behandelt und darf als Einzige zusätzlich Medikamente verordnen (z. B. bei ADHS).

Hochschulambulanz Diagnostik- und Behandlungsstelle an einer Universität bzw. Universitätsklinik. Rechnet über die gesetzliche Kasse ab, ist aber oft stark ausgelastet, daher lange Wartezeiten.

Niedergelassene Ärzt:in / Therapeut:in In eigener Praxis tätig, mit Kassenzulassung (Vertragsarzt/-therapeut). Die Behandlung läuft über die gesetzliche Kasse, ebenfalls meist mit Wartezeit.

Heilpraktiker:in für Psychotherapie Erlaubnis zur psychotherapeutischen Tätigkeit ohne Approbation und ohne Vollstudium. Der Befund ist nicht offiziell anerkannt und wird von PKV/Beihilfe in der Regel nicht erstattet; keine Grundlage für Nachteilsausgleich oder Medikation.

Coach Kein geschützter Beruf, keine medizinische oder psychotherapeutische Qualifikation nötig. Kann bei der Alltagsstrukturierung unterstützen, darf aber keine Diagnose stellen.

Systemische:r Berater:in Beratung mit Fokus auf Familie und Beziehungssystem. Kann begleitend hilfreich sein, stellt aber keine anerkannte ADHS-Diagnose und rechnet nicht über PKV/Beihilfe ab.


Stand: Juli 2026. Dieser Artikel beschreibt die übliche Praxis, ersetzt aber keine Rechts- oder Abrechnungsberatung. Ob und in welcher Höhe erstattet wird, entscheiden Ihre Versicherung bzw. Ihre Beihilfestelle im Einzelfall.

Sie möchten Klarheit für Ihr Kind, ohne monatelanges Warten? In meiner Praxis in Tübingen biete ich eine leitliniennahe ADHS-Diagnostik für Kinder bis 13 Jahre an, mit transparenten Festpreisen und persönlicher Rückmeldung.

Zur ADHS-Diagnostik

Über die Autorin

Geschrieben von Ana-Maria Dorka, klinischer Psychologin und approbierter Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin mit über zehn Jahren klinischer und ambulanter Erfahrung, Schwerpunkt ADHS, Neurodiversität und Entwicklung. Sie führt den ADHS-Kompass (Elternberatung online deutschlandweit, Kurse) und die Psychotherapeutische Praxis Dorka in Tübingen (ADHS-Diagnostik und Psychotherapie vor Ort). Mehr über mich · LinkedIn

Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine individuelle Diagnostik, Behandlung oder Rechts- bzw. Abrechnungsberatung. Woher meine Informationen stammen

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